Buchheim (ac). Viel Aufmerksamkeit erhielt der Strunder Bach, der von Bergisch Gladbach bis Köln-Buchheim fließt, in den vergangenen Jahren durch das Projekt "Regionale 2010". Jetzt planen die Stadtentwässerungsbetriebe(StEB), einen Bachabschnitt zwischen Haus Herl und der Kattowitzer Straße trocken zu legen.
Die Bezirksvertreter gaben sich nicht begeistert. Er galt als der "fleißigste Bach Deutschlands", weil er mit seinem stetigen Gefälle zahlreiche Mühlen zwischen Köln und Bergisch Gladbach antrieb. Noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts war er streckenweise eine stinkende Kloake, weil die Papierfabriken Bergisch Gladbachs ihn auch als Abwasserentsorger benutzten. Dennoch bewässerte er Wiesen und prägt die Landschaft zwischen Dellbrück und Buchheim bis heute.
Hübsche blaurote Wegweiser und Schilder informieren seit
dem Projekt "Regionale 2010" über Bauwerke und
Besonderheiten, markante Abschnitte sollen als spezielle
"Lupenräume" gestaltet werden. Auch der Abschnitt in
Buchheim (Nähe Arnsberger Straße), in dem die Strunde in
die städtische Kanalisation fließt und unterirdisch in
den Rhein geleitet wird, soll als Lupenraum unter dem Motto
"wo die Strunde untergeht" noch gestaltet werden, auch
ein "Wasserspielplatz" ist dort geplant.
All dies hinderte die Stadtentwässerungsbetriebe (StEB) nicht
daran, eine Machbarkeitsstudie "zur Abkopplung des Strunder
Baches von der Mischwasserkanalisation" zu erstellen. Im
Klartext: Bereits auf Höhe von Haus Herl, etwa 900 Meter bevor
die Strunde unterirdisch verschwindet, hat der Bach einen Abzweig
zum Faulbach, der in den Rhein mündet. Die Umleitung von
Bachwasser in die städtische Kanalisation dagegen ist, so die
StEB, eigentlich nicht zulässig. Außerdem sei das Wasser
der Strunde mit Schwermetallen belastet.
Von den sieben Varianten für den Bachabschnitt, die die StEB
den Bezirksvertretern vorlegten, ist Nummer sieben, die
vollständige Stilllegung des Bachabschnitts, mit rund 7.500
Euro die billigste. Dafür wäre nur eine Schließung
der Verzweigung am Buchheimer Ring nötig. Der letzte
Abschnitt, so Henning Werker von den StEB, böte ohnehin wenig
ökologische Vielfalt. Am teuersten und aufwändigsten
wäre Variante 4, die eine oberirdische Durchführung bis
zum Rhein entlang Sonderburger-, Jan-Wellem- und Bachstraße,
die etwa 1,89 Millionen Euro kosten würde. Die Variante sechs,
den Bacharm als stehendes Gewässer bestehen zu lassen,
würde, so Werker, "ökologisch und
wasserwirtschaftlich wenig Sinn machen", auch sei die
Schwermetallbelastung ein Problem. Diese Variante würde
ungefähr 34.500 Euro kosten.
Genau diese Variante aber, so Bezirksvertreter Karl-Heinz Frebel,
wäre die, die die Buchheimer Bürger am ehesten
gutheißen würden. "Wir sind alle mit diesem Bach
großgeworden", kritisierte er die Pläne der StEB und
betonte den historischen und kulturellen Wert des Baches auch in
diesem Abschnitt. Den Wert des Gewässers betonte auch Dr.
Joachim Bauer vom Grünflächenamt, das dennoch der
Trockenlegung zustimmte.
Frebel wies außerdem darauf hin, dass die belasteten
Wasserproben des Baches an den Quellen, nicht in Buchheim,
entnommen wurden. Der örtliche Kleingärtnerverein
hätte dagegen den Bacharm auf eigene Faust
überprüfen lassen. Ergebnis: Das Wasser ist unbedenklich.
Eine Bürgerbeteiligung forderten sowohl Frebel als auch
Vertreter der CDU-Fraktion. Winfiried Seldschopf (Bündnis
90/Die Grünen) forderte zudem eine bessere Auskunft über
die Wasserqualität. Bezirksbürgermeister Norbert Fuchs
verlangte von Dr. Joachim Bauer zusätzlich Auskünfte
darüber, ob die Maßnahmen Auswirkungen auf die
Neugestaltung im Rahmen der Regionale hätte.
Letztlich vertagten die Bezirksvertreter den Beschluss über
die Verwaltungsvorlage.



